Business Storytelling: Geschichten über Erfahrungen im Business und in Projekten. Storytelling-Methoden und Tipps für Menschen und Unternehmen, Business-Helden und Projektleiter
Samstag, Januar 03, 2009
Storytelling in Projekten: Kommunikation
Als Projektleiter können Sie Geschichten zielgerichtet und systematisch für die Projektkommunikation einsetzen und auf diese Weise das Außen- und Innenbild Ihres Projekts ein Stück weit gestalten. Fast jedes Thema kann in eine Geschichte verpackt werden. Wichtig ist, dass die Geschichte eine Botschaft auf den Punkt bringt und dabei spannend, lustig, lehrreich oder auf andere Art unterhaltsam ist. Die Geschichte soll so interessant sein, dass man gerne zuhört. Je kürzer, prägnanter und glaubwürdiger sie ist, desto besser. Dabei ist es egal, ob die Geschichte wahr ist oder erfunden – beides erfüllt seinen Zweck, nämlich dass die Zuhörer sich die Botschaft gut merken können und sie vielleicht weitererzählen. Für die Zuhörer sollte der Unterschied zwischen Wahrheit und Fiktion aber ersichtlich sein. Hält ein Zuhörer eine erfundene Geschichte für wahr, ist das ungünstig.
Als Erzähler müssen Sie authentisch wirken. Andernfalls lehnen die Zuhörer Ihre Geschichte ab und die Geschichte kann ihren Zweck (z.B. Motivation) nicht mehr erfüllen. Erzählen Sie deshalb nur Geschichten, die zu Ihnen passen und die Sie glaubwürdig vermitteln können, z.B. weil Sie selbst die Geschichte für glaubwürdig halten oder uneingeschränkt hinter ihrer Botschaft stehen können. Um authentisch zu wirken, sollten Sie außerdem bei der Wahrheit bleiben. "Mit Lügen kommt man durch die ganze Welt, aber nicht mehr zurück", besagt ein russisches Sprichwort. Viele Geschichten sind zwar erfunden, ihre Botschaft sollte allerdings – sofern sie das Projekt betrifft – der Wahrheit entsprechen. Stellen Sie Ihr Projekt in Geschichten beispielsweise nicht als makellos dar, wenn alle wissen, dass es Probleme gab oder noch gibt.
Erfolgsgeschichten
In Besprechungen, beim Mittagessen oder in Telefonaten können Sie kleine Erfolgsgeschichten erzählen. Die Idee dahinter ist: Erzählen Sie die Geschichten, die man über Sie und Ihr Projekt erzählen soll. Kein Sportler würde seine Negativ-Erlebnisse hervorkramen, wenn er zum nächsten Sieg eilen will. Sprechen auch Sie nicht von der Niederlage, sondern vom Erfolg, und führen Sie sich auf dem (oft langen) Weg zum Projektabschluss immer wieder die kleinen Erfolge vor Augen: Mit kleinen Erfolgsgeschichten motivieren Sie nicht nur sich selbst und Ihr Team, sondern vermitteln auch ein positives Bild nach außen.
Bald werden auch die anderen Projektbeteiligten anfangen, kleine Erfolgsgeschichten zu erzählen. Vielleicht ist es einem Mitarbeiter gelungen, sein Arbeitspaket vorzeitig abzuliefern oder eine Mitarbeiterin hat eine fehlerhafte Computerrechnung gerade noch rechtzeitig entdeckt, um sie kurz vor der Abnahme korrigieren zu können. Hören Sie dann gut zu. So bestärken Sie die andere Person und "feiern" mit ihr den Erfolg.
Geschichten über den Nutzen des Projekts
Mit einer Geschichte können Sie auch den Nutzen eines Projekts veranschaulichen. Der Nutzen bleibt den Zuhöreren (Entscheider, Mitarbeiter oder Anwender eines Projektergebnisses) auf diese Weise leichter im Gedächtnis. Eine solche Geschichte kann spannend sein, aber auch amüsant. Aber selbst wenn sie keine erzählerische Pointe hat und rein nüchtern Tatsachen darstellt, kann sie Wirkung erzielen, wenn sie nur überzeugt.
Der Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens verstand den Nutzen eines CRM-Systems (Customer Relationship Management) sofort, als der Projektleiter ihm von den Erfahrungen eines anderen Unternehmens erzählte:
"Ein befreundeter Projektleiter hat mir neulich von seinen Erfahrungen mit einem CRM-System erzählt. Niemand muss nach Daten suchen, die irgendwo im Unternehmen bereits gespeichert sind. Die Mitarbeiter verbringen ihre Zeit mit der Betreuung der Kunden, nicht mit der Suche nach Informationen. Stellen Sie sich vor, dass auch unsere Mitarbeiter ihre gesamte Arbeitszeit den Kunden widmen können und regelmäßig mit ihnen in Kontakt stehen."
Geschichten über Erfahrungen und Wissen
Storytelling eignet sich dafür, Erfahrungen weiter zu geben. Insbesondere negative Erfahrungen bergen oft sehr wertvolles Wissen. Deshalb ist es sinnvoll, auch diese in Geschichten zu verpacken. Außerdem: Wer immer nur Erfolgsgeschichten erzählt, wird nicht als glaubwürdig wahrgenommen.
Freitag, Januar 02, 2009
Der Pygmalion-Effekt und der Projekt-Erfolg
Über einen subtilen Kanal, zum Beispiel Pupillenveränderungen, hatten die Lehrer ihnen vermittelt, dass sie mit einer Leistungssteigerung rechneten. Rosenthal und Jacobson bezeichneten dieses Phänomen als Pygmalion-Effekt - nach dem König und Bildhauer Pygmalion in der griechischen Mythologie, der durch seine Liebe zu der von ihm geschaffenen Statue Galatea die Göttin Aphrodite dazu brachte, dem toten Stein Leben einzuhauchen:
Da lebte einst, in längst vergangenen Zeiten, ein König auf Zypern. Der hieß Pygmalion und schuf als begnadeter Künstler eine Statue aus Elfenbein. Nicht irgendein Mädchen stellte sie dar, sondern seine - allerdings sehr leblose - Traumfrau. So verliebt war der Künstler in sein Werk, dass Aphrodite ein Einsehen hatte mit dem armen Kerl und die steinerne Jungfrau zum Leben erweckte. (Göttinnen können und dürfen das. Die antike Mythologie hat immer etwas zu bieten, für jeden und für alle Lebenslagen.)
Offenbar kann eine Stimmung der frohen Erwartung genau die Schubkraft liefern, die für das Gelingen eines Projektes noch fehlt.
Moderne Pygmalions nutzen das und stützen damit ihr Projektteam, indem sie ihnen durch ihr eigenes Auftreten das Gefühl vermitteln: Alles ist möglich.
Sie geben hohe, aber realistische Ziele vor und signalisieren den Menschen um sich herum ihr Vertrauen und ihre Wertschätzung.
Wer, wenn ncht wir? Wenn, wenn nicht jetzt? Wo, wenn nicht hier?
Sie sind hundertprozentig von ihrem Team und dem Erfolg der gemeinsamen Mission überzeugt - und bringen das auch zum Ausdruck.
Das bringt die Menschen um uns herum dazu, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln und über sich hinauszuwachsen.
Donnerstag, Januar 01, 2009
Storytelling in Projekten: Wissensfindung
Zum Beispiel.....
Anforderungen wie "Breite der Maschine max. 7,80 Meter", sind zwar eindeutig. Anschaulich und verständlich wird die Anforderung aber, wenn der betreffende Mitarbeiter dazu erzählt:
"Das Tor zur Produktionshalle ist 8 Meter breit, deshalb darf die neue Maschine nicht breiter sein. Die Vorgänger-Maschine war 8,15 Meter, weil man sich vermessen hatte. Um die in die Halle zu kriegen, mussten wir einen Teil der Wand einreißen. Das war im Winter und durch das Loch kam der ganze Schnee. Die Abdeckplane hat da auch nicht mehr geholfen, der Wind war zu stark. Wegen der Kälte bin ich krank geworden und lag eine Woche im Bett. Das will ich nicht noch mal erleben. Also merkt euch bitte: maximal 7,80 Meter".
Eigentlich selbstverständlich so ein Beispiel. Aber manche Dinge scheinen so einfach zu sein, dass man hin und wieder daran erinnern muss, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Denn auch wenn etwas einfach ist, kann es ja effizient sein.
Freitag, Dezember 19, 2008
Storytelling in Projekten - Teil I: die Projektkommunikation
1. Unterstützung der Projektkommunikation
2. Unterstützung beim Wissensmanagement (Auffinden von Wissen)
3. Unterstützung bei der Lösungsfindung
Mit Storytelling lässt sich die Kommunikation der Projektinhalte unterstützen. Das Projekt kommuniziert über Geschichten den Zweck und das Ziel des Projekts. Je nach Situation erzählen Projektleiter oder Projektmitarbeiter aber auch Auftraggeber oder die vom Projekt Betroffenen. Diese Geschichten sind auf die jeweiligen Stakeholder abgestimmt, z.B. Entscheider, zukünftige Anwender der Projektlösung, vom Projekt betroffene Mitarbeiter.
Ziel ist es, den unterschiedlichen Zielgruppen bestimmte Botschaften und Inhalte zu vermitteln. Themen sind z.B. Projektziel, Status oder Projektnutzen.
Der Projektleiter vermittelt die aktuelle Situation im Projekt im Treffen mit dem Lenkungsausschuss z.B. kurz und treffend mit einer Metapher oder einer Parabel, die die aktuelle Situation beschreibt und genau auf den Punkt bringt. Dadurch bringt er die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer des Lenkungsausschusses genau auf den wichtigen Punkt, den er hervorheben möchte und der Lenkungsausschuss ist über den Vergleich sofort „im Bilde“.
Bei einem Projekt beispielsweise gab es einen Wechsel in der Geschäftsleitung beim Auftraggeber. Das war zwar bereits allgemein bekannt, nicht geplant waren allerdings die erhöhten Kommunikations-Aufwände im Projekt, die dadurch entstanden, dass sich ein neuer Auftraggeber in die Ziele und Aufgaben des Projektes kennenlernen musste und seine eigenen Vorstellungen in das Projekt einbringen wollte.
Der Projektleiter brachte mit der folgende Geschichte brachte die Anfangsschwierigkeiten in der Kommunikation auf den Punkt, bevor er sein Anliegen erläuterte und mit konkreten Fakten argumentierte:
Ein Mann wandert mit schwerem Gepäck beladen auf einer Landstraße. Da kommt ihm ein Bauer mit seinem Pferdewagen entgegen. Der Wanderer hält ihn an: "Wie weit ist es von hier nach Steinberg?" Der Bauer kratzt sich hinterm Ohr und brummelt: "Na ja, mit dem Pferdewagen wohl so eine halbe Stunde." Der Wanderer: "Darf ich mitfahren?" – "Bitte, steigen Sie auf", sagt der Bauer. Sie fahren eine halbe Stunde. Noch keine Häuser in Sicht. Langsam wird der Wanderer unruhig. "Sagen Sie", ruft er dem Bauern von hinten zu, "wie weit ist es denn noch bis Steinberg?" Der Bauer kratzt sich wieder hinterm Ohr und brummelt: "Na ja, mit dem Pferdewagen wohl so eine gute Stunde." Der Wanderer ist entsetzt: "Wie kann denn das sein?! Vorhin haben Sie mir noch erzählt, wir wären eine halbe Stunde von Steinberg entfernt. Und jetzt fahren wir schon eine halbe Stunde!" – "Ja", brummelt der Bauer, "aber in die entgegengesetzte Richtung."
Es muss aber nicht immer eine solche Parabel sein, um eine bestimmte Botschaft anschaulich zu erläutern oder ein Problem zu schildern. Oft sind auch schon die Geschichten „aus dem wirklichen Leben“, also Beispiele oder Erfahrungsberichte aussagekräftig und helfen einem Zuhörerkreis, der nicht genau über Einzelheiten informiert ist, sich in Situationen hineinzuversetzen und Entscheidungen zu treffen. Wie im Beispiel mit dem Lenkungsausschuss des Projektes. Der Lenkungsausschuss ist im wesentlichen über Ziele und Fortschritt des Projektes informiert. Details aber sind den Teilnehmern dieser Runde oft nicht bekannt. Bei der Beurteilung des Projektes ist es daher sehr hilfreich, sich auf eine anschauliche Art ein Bild vom aktuellen Projektstand machen zu können.
Montag, Dezember 15, 2008
Storytelling - wirkt über Emotionen und Bilder

Alle narrativen Methoden (also schlicht Storytelling) funktionieren, weil sich unser Gehirn anschauliche Dinge leichter merken kann. Der Mensch ist ein "erzählendes Wesen".
Forschungsergebnisse der Neurobiologie zeigen, dass unser Gehirn am schnellsten und direktesten über Gefühle gesteuert wird. Fakten, die von Emotionen begleitet werden, verankern sich in unserem Gehirn effizienter und nachhaltiger. Wichtige Erfahrungen sind oft mit intensiven Gefühlen verbunden – sei es, dass uns die Ereignisse sehr interessiert haben, wir überrascht wurden oder einen Schreck erlebt haben. Wenn wir uns an diese Erfahrungen erinnern, dann erinnern wir uns auch an die Gefühle in der damaligen Situation. Das Gehirn verbindet Erfahrungen oder Fakten mit den Emotionen, die sie begleitet haben.
Emotionen führen dazu, dass in unserem Kopf eine Abfolge von Bildern entsteht. Diese Bilder können wir uns umso leichter merken, je stärker die Emotionen sind, die wir mit ihnen verbinden. Auf diese Weise funktionieren Geschichten: Sie erzeugen in uns Emotionen und Bilder. Die inneren Bildergeschichten und die Fakten, die sie transportieren, können wir uns gut merken. Es entsteht Wissen, das wir gerne weiter erzählen. Auf dieser Wirkung baut Storytelling auf.
Donnerstag, Dezember 11, 2008
Storytelling und Unternehmenskultur
Natürlich bin ich sofort bei der Kultur eines Unternehmens, wenn ich hinterfrage, wie im Unternehmen Wissen kommuniziert wird. Denn letztendlich geht es bei Organizational Storytelling darum.
Herrscht im Unternehmen eine offene Kommunikationskultur, dann ist Storytelling etwas völlig selbstverständliches. So selbstverständlich, das die Sache oft gar keinen Namen hat. Solche Unternehmen mag ich sehr - denn da funktioniert Storytelling so, wie es beabsichtigt ist. Es ist Teil der Kommunikation im Unternehmen.
Für die anderen Unternehmen gibt es da ein paar Geheimnisse zu lüften:
- Was heisst denn das - "offene Kommunikationskultur"?
zum Beispiel:
"Ihr hattet im letzten Projekt doch dieses spezielle Problem mit der Datenschnittstelle. Wie habt ihr das gelöst ? - Ich glaube, in unserem Projekt haben wir gerade etwas ähnliches..."
oder
"Könnt Ihr mir die Abläufe in der Abteilung xy erklären? Mir fehlen da ein paar Zusammenhänge..."
Eigentlich ganz einfach und selbstverständlich. Der Punkt ist der, es zu tun und von Kollegen auch Antworten zu bekommen. Jeder nimmt sich die paar wenigen Minuten und hillft dem Kollegen mit einer Antwort, einem Beispiel, einem kurzen Erfahrungsbericht, usw. weiter. Schließlich ist man selber auch ab und zu auf Antworten anderer Kollegen angewiesen.
Noch ein Geheimnis:
- Wissen vermehrt sich, wenn man es teilt.
Das letzte Geheimnis für heute:
- Einfach tun.
Zum Beispiel:
Ein Projekt, das sein komplexes Know How und die Abhängigkeiten des Projektes zu seiner Umwelt auf einer Wissenslandkarte grafisch darstellt, hat schon die beste Basis, um den Wissens- und Erfahrungsaustausch in Gang zu bringen. Und bei der Entwicklugn einer solchen Landkarte reden die Teammitglieder miteinander - sie erzählen ihr Wissen.
Also - manchmal ist Storytelling öfter "irgendwo drin" - auch wenn´s gar nicht draufsteht :-)
Demnächst mehr über Storytellign im Projektmanagement ........
Mittwoch, Dezember 10, 2008
Storytelling - was ist das eigentlich - Teil II
Wem hören Sie denn mit Vergnügen zu? Dem gewandten Erzähler oder dem akribischen Faktensammler? Es fällt uns leichter, Geschichten zu folgen, als einer Aufzählung von Fakten. Geschichten wecken bei uns Emotionen, hier ist Spannung und Aufregung im Spiel, Geschichten unterhalten uns. Außerdem können wir uns Fakten, die wir in einer Geschichte hören, gut merken.
Geschichten lassen sich auch im Projektmanagement nutzbringend einsetzen. Sie können beispielsweise dazu beitragen, das Projektteam zu motivieren, das Projektziel zu kommunizieren oder Wissen weiterzugeben. Das Erzählen von Geschichten als Methode nennt man "Storytelling".
Storytelling ist knapp formuliert eine Sammlung narrativer Methoden (lat. narrare = erzählen). Es beschränkt sich aber nicht nur auf das Erzählen oder Zuhören, sondern umfasst auch Aspekte wie den Zweck einer Geschichte, den gewählten Verbreitungsweg und die Situation, in der erzählt wird.
Die Learning History-Methode beispielsweise wurde in den 1990er Jahren in den USA entwickelt und wird seitdem von namhaften Unternehmen, z.B. Rank Xerox oder IBM eingesetzt. Hierbei erzählen ausgewählte Mitarbeiter über wichtige Ereignisse oder Abläufe. Dabei bringen sie jeweils ihre eigene Sichtweise des Sachverhalts in ihre Erzählung ein, so dass sich bisher unbekannte Zusammenhänge aufzeigen. Diese werden in einer Lerngeschichte (Learning History) zusammengefasst und in Seminaren anderen Mitarbeitern vorgetragen. Anschließend besprechen die Zuhörer die Geschichte.
Mittels Storytelling ist es möglich, Wissen weiterzugeben oder die Kreativität anzuregen, beispielsweise um für bestimmte Probleme eine Lösung zu finden. Am häufigsten dient Storytelling strategischen Zwecken. Mit Geschichten kann man u.a. neue Werte vermitteln oder die Unternehmenskultur darstellen. Erzählt der Personaler dem neuen Mitarbeiter beispielsweise, dass der Firmengründer – inzwischen mehrfacher Millionär – bei jedem Besuch in der Produktionshalle den Boden nach Schrauben absucht und sie aufhebt, macht er dem Neuling dadurch klar: Wir sind sparsam. Auch der Chef spart, wo er kann. Solche Anekdoten wirken allerdings nur, wenn sie wahr sind. Für andere Situationen (z.B. Problemlösungsprozess) können erfundene Geschichten und Analogien besser geeignet sein.
Der Begriff "Geschichte" ist beim Storytelling weit gefasst. Grundsätzlich reicht er von der Weitergabe von Erfahungen bis hin zur dramaturgisch hochwertigen, spannungsgeladenen Geschichte. In der Praxis lässt sich aber beobachten, dass auch Personen, die eher fakten- und datenorientiert sind, sehr ansprechend erzählen können, wenn sie sich für ein Thema begeistern.
Flexibel ist auch der Rahmen, in dem eine Geschichte erzählt wird: Die Erzählung kann systematisch geplant und verarbeitet werden wie bei der Learning History-Methode. Es kann sich aber auch um eine Anekdote handeln, die der Abteilungsleiter spontan seinen Mitarbeitern erzählt, um sie zu motivieren oder für gute Stimmung zu sorgen.
Storytelling - was ist das eigentlich genau
Vor allem, weil ich immer weider darauf angesprochen werden, wo dann das Geheimnis liegt.
Menschen lieben offenbar Geheimnisse und die Geschichten "d´rum herum".
In loser Folge werde ich die verschiedenen Aspekte von Storytelling hier ergänzen.
Im Grunde genommen meint Storytelling ja nichts anders als Geschichten erzählen.
Die Frage ist nur, wofür und wem.
Im englischen Sprachraum spricht man von Organizational Storytelling, wenn man das meint, was ich tue.
Die Einsatzmöglichkeiten sind sehr vielfältig. Ich arbeite mit der "Grundannahme", dass auch in Unternehmen die "wichtigen Dinge" weitererzählt werden, statt das man sie dokumentiert. Ein wichtiger Teil meiner Arbeit ist, dass ich in Unternehmen Wissen über´s erzählen aktiviere, das zwar vorhanden, aber zu wenig wahrgenommen wird. Die Wahrnehmung funktioniert darüber eine Art von Erzählkultur im Unternehmen zu schaffen - eben für Zuhörer und Erzähler zu sorgen. Das ist ein kleiner aber sehr wichtiger Aspekt von Storytelling in Unternehmen.
Sonntag, Dezember 07, 2008
Der kleine Fahrradladen
Denn Menschen sind nun mal so, dass sie ungerne belehrt werden, aber gerne etwas erzählt bekommen. Wirklich guten Parabeln gelingt es, diese beiden Gegensätze miteinander zu verbinden.
Warum ich das erzähle?
Nun, ab und zu finde ich tatsächlich eine Parabel, der dies gelingt. Lehrreich und unterhaltsam, gut geschrieben, aber nicht übertrieben in ihrer Botschaft.
Werner Schwanfelder erzählt eine solche Parabel in seinem Buch "Der kleine Fahrradladen". Eine kurze Geschichte über Motivation und Eigenverantwortung in Unternehmen.
Sie regt zum Nachdenken an, ohne belehrend zu wirken. Und macht Spass.
Mittwoch, Dezember 03, 2008
Als der Zeit zu langweilig wurde
Für viele Dinge gibt es aber auch Erklärungen, die ganz und gar nicht wissenschaftlich sind. Manche Erklärungen sind einfach nur schön und machen Spass. Auch solche sind wichtig. Erstaunlicherweise kann man sich die wissenschaftliche Sicht auf die Welt leichter merken, wenn man den Erklärungen eine "unwissenschafltiche" an die Seite stellt. Einfach nur so, zum Spass, zum weitererzählen und drüber schmunzeln..
Die folgende Geschichte ist eine von diesen:
Die Ordnung und die Routine beschlossen, den Menschen zu helfen.
Sie erfanden die Zeit, damit die Menschen genau planen konnten und schenkten Ihnen Uhren, damit sie einen guten Überblick übe rihre Tätigkeiten hatten.
Jahraus, jahrein verging die Zeit immer gleich. Sekunde um Sekunde, Minute um Minute, Stunde um Stunde.
Doch mit der Zeit schienen die Menschen immer mehr Robotern zu ähneln. Sie lebten ganz automatisch nach dem Diktat der Zeit.
Der Zeit selbst gefiel das gar nicht.
Ihr war so schrecklich langweilig, dass sie beschloss, davonzulaufen. Als es dunkel wurde, klopfte sie an der Tür eines Hauses und dort öffnete die Abwechslung. Sie lud die erschöpfte Zeit sofort zu sich ein.
Der Zeit gefiel es bei der Abwechslung. Von ihr lernte sie, was Vielfalt war. Sie begann damit, eine Minute mal kurz oder mal länger sein zu lassen. Eine Stunde mal zu einer kleinen Ewigkeit werden zu lassen oder sie blitzschnell vergehen zu lassen. Und das gefiel ihr so gut, dass sie dabei blieb.
So kommt es, dass wir die Zeit zwar an den Zeigern der Uhren ablesen können, dass sie sich aber immer wieder ganz unterschiedlich anfühlt.