Montag, August 17, 2009

Der Sorgenbaum

Der Schreiner, den ich zur Renovierung eines alten Bauernhauses engagiert hatte, beendete gerade seinen ersten, anstrengenden Arbeitstag bei mir. Durch eine Reifenpanne verlor er eine Stunde Arbeitszeit, seine Elektrosäge gab den Geist auf und nun wollte sein etwas in die Jahre gekommener Transporter nicht anspringen.
Während ich ihn nach Hause fuhr, saß er völlig versteinert und stumm neben mir.
Als wir bei ihm zuhause ankamen, lud er mich ein, seine Familie kennen zu lernen. Als wir auf den Hauseingang zugingen, blieb der Mann kurz vor einem kleinen Baum stehen und berührte die Zweigspitzen mit beiden Händen. Nachdem er die Haustür geöffnet hatte, geschah eine wundervolle Veränderung mit ihm. Sein gebräuntes Gesicht war mit einem großen Lächeln überzogen; er umarmte seine zwei Kinder und gab seiner Frau einen Kuss.
Danach begleitete er mich zu meinem Wagen. Wir gingen wieder an dem Baum vorbei und meine Neugierde übermannte mich. Ich fragte ihn, was er bei dem Baum gemacht hatte, bevor wir ins Haus gegangen sind. Er antwortete: "Oh, das ist mein Sorgenbaum. Ich kann zwar nicht immer verhindern, daß es bei meiner Arbeit Schwierigkeiten gibt, aber eines ist sicher: diese Probleme haben keinen Platz zuhause bei meiner Frau und den Kindern. Deshalb hänge ich meine Sorgen einfach jeden Abend bei meiner Heimkehr an den Baum. Am nächsten Tag hole ich sie dann wieder dort ab."
"Das lustige dabei ist" - und er lächelte - "wenn ich die Sorgen morgens abholen möchte, sind es lange nicht mehr so viele, wie ich abends zuvor dort aufgehängt habe"

(Quelle unbekannt - Wenn Sie Varianten der Geschichte kennen
oder eine Quelle haben, freue ich mich über Feedback)

Kommentare:

  1. Wie wunderbar!
    Ich hörte diese Geschichte zuletzt bei einem Seminar. Die Referentin lud uns ein, alle Sorgen, Nöte und Gedanken, die wir gerade haben und nichts mit dem Seminar zu tun hätten auf einen Zettel zu schreiben und an den Sorgenbaum zu kleben (es diente eine Zimmerpflanze als Sorgenbaum).
    Wer möchte, könne sie ja am Ende des Seminars wieder mitnehmen! :) - Was natürlich keiner gemacht hat!!!

    Ich fand das Ritual so wunderbar, dass ich mir gerade die Geschichte aufschreiben wollte. Effizient, wie ich bin, suchte ich bei google, bevor ich mir selbst die Arbeit mache... Und siehe da... Aber sowas von genau!

    Vielen Dank! Hat mir grad Arbeit erspart! :)

    Herzliche Grüße
    Alexandra Lux

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  2. Liebe Alexandra,
    jetzt habe ich diese Geschichte schon so lange und immer noch ist sie relevant ;-) Danke für Ihren Kommentar. Mir wurde sie selbst erzählt - und gute Geschichten muss man einfach weitererzählen.
    Herzliche Grüße

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